Steigende Inflation ermöglicht Rotation

Anlagepolitik, März 2021

Steigende Inflation ermöglicht Rotation

Das zurzeit die Finanzmärkte immer mehr beherrschende Thema sind die steigenden Erwartungen an eine weitere US-Konjunkturstimulierung und dadurch auch Erwartungen für sowohl höhere Unternehmensgewinne als auch höhere Inflation. Solange die Inflationserwartungen mit steigendem Wirtschaftswachstum und einer weiter lockeren Geldpolitik der Zentralbanken verknüpft sind, stellen sie eher eine Bedrohung für Anleihen mit tiefen Renditen als für Aktien dar. Damit könnte es zu Kapitalflüssen aus Anleihen hin zu Aktien kommen.

Die Weltwirtschaft wird von den beiden wichtigsten Volkswirtschaften – den USA und China – im Wachstum noch mehr verstärkt. In den USA ist insbesondere die Produktionsseite der Wirtschaft kräftig; die vorlaufenden Indikatoren der Industrieaufträge haben bereits das Niveau von vor der Corona-Krise überschritten. Dank massiven staatlichen Corona-Hilfen und hohen Sparraten ist damit zu rechnen, dass der US-Konsum in den nächsten Monaten noch kräftiger wird und als bedeutender Faktor die Weltwirtschaft zusätzlich unterstützt. Dank des dieses Jahr ebenfalls besseren Wirtschaftswachstums in Europa und China dürften dadurch die Unternehmensgewinne global immer mehr nach oben revidiert werden. Wichtig wird zudem die vom US-Präsidenten geplante neue US-Konjunkturstimulierung, die – falls sie im Umfang von USD 1’000 bis 1’900 Mrd. vom US-Kongress genehmigt wird – zu noch mehr Aufwärtsrevisionen beim Wirtschaftswachstum, Gewinnschätzungen, aber auch bei Inflationserwartungen führen dürfte.
 
Aktien
Die Zwischenkonsolidierung an den Aktienmärkten Ende Januar war von kurzer Dauer. Zwei Gründe sind dafür verantwortlich: Zum einen sorgen die neuen Corona-Unterstützungen der US-Regierung zusammen mit einer hohen Sparrate bei US-Haushalten für viel Geld bei den Amerikanern, welches diese vermehrt in Aktien anlegen. Zum anderen haben die US-Unternehmen, aber auch viele europäische Firmen, im Endquartal des letzten Jahres weit mehr verdient als ihnen vom Analystenkonsens zugetraut wurde. Dabei zeigten erstmals auch mehr konjunkturabhängige Branchen einen besser als erwarteten Geschäftsgang – nicht nur wie üblich viele Technologie-, Pharma- oder Kommunikationsfirmen. Die sich verbessernden Unternehmensresultate sind inzwischen wichtig, um die historisch hohe Aktienbewertung wieder zu reduzieren. Dies erscheint wahrscheinlicher zu werden, weil die Analysten nun die Gewinnschätzungen für 2021 und 2022 nach oben revidieren.

Steigende Inflationserwartungen könnten Anleihen künftig vermehrt belasten.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Unabhängig vom Konjunkturausblick sind Aktien aus dem Bereich Internet-Sicherheit («Cyber Security») interessant. Die im Dezember gegen US-Regierungsstellen und global über 30’000 Firmen unternommenen Hacker-Angriffe bestätigen einen seit einigen Jahren zunehmenden Trend. Da dadurch die Reputation, Kundensicherheit und generell der Geschäftsgang bedroht werden, ist damit zu rechnen, dass die Investitionen in Internet-Sicherheit zunehmen, gerade in der Zeit von zunehmender Digitalisierung von Freizeit und Arbeit. IT-Experten erwarten, dass die Ausgaben für Internet-Sicherheit gegenüber dem Markt und anderen Technologieausgaben überdurchschnittlich wachsen, was führenden Anbietern von Internet-Sicherheit attraktives Gewinnwachstumspotenzial verleiht.

Obligationen
Die Gefahr von Kursverlusten für Anleihen mit tiefen Renditen ist wegen der ansteigenden Inflation realer geworden. Weil sich die Zusatzrenditen von vielen Unternehmensanleihen seit den letzten Kursavancen sehr nahe an den historischen Tiefständen bewegen, sind diese neben Staatsanleihen ebenfalls verwundbarer geworden. Dies gilt mindestens solange das Wirtschaftswachstum sich weiter verbessert und die Inflationserwartungen noch mehr ansteigen. Die tiefe Basis der Konsumentenpreise im Vorjahr sowie sich eindeutig erhöhende Rohstoffpreise machen viele Anleihen nun im Vergleich zu Aktien weniger attraktiv. Bei «High Yield»-Anleihen hingegen können die noch klar höheren Zusatzrenditen als Puffer gegen den Anstieg der Inflationserwartungen dienen.

Währungen
Wir haben im Februar-Marktkommentar («Devisen-Dilemma?») darauf hingewiesen, dass die Schwächetendenz des US-Dollar abflauen könnte. Nicht nur das zu erwartende neue US-Konjunkturpaket könnte dies bewirken, sondern auch mögliche Gewinnmitnahmen nach langer Zeit einer gewissen Euro-Stärke. Mit steigenden US-Inflationserwartungen ist zudem denkbar, dass sich die Zinsdifferenz wieder zugunsten des US-Dollar verbessert, welche sich 2020 klar verringert hat. Die Differenz der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen zwischen den USA und Europa hat sich bereits wieder zugunsten des US-Dollars erhöht. Auch Währungsmärkte sind keine Einbahnstrassen.

Rohstoffe
Die Anlageklasse Rohstoffe mit Ausnahme von Gold hat seit Jahresbeginn von zwei Faktoren profitiert, die wohl einige Zeit anhalten können: Einerseits bleibt die chinesische Konjunktur die momentan stärkste aller Länder; andererseits verbessert sich das Wirtschaftswachstum der USA mehr als erwartet und könnte dank der vom US-Präsidenten geplanten Konjunkturstimulierung noch mehr zulegen. Damit steigt die globale Nachfrage nach konjunktursensitiven Rohstoffen (von Öl bis zu den Industriemetallen) mehr als das Angebot, was viele Rohstoffe zu Profiteuren von Wirtschaftswachstum und Inflationserwartungen macht.

Fazit: Das Thema der steigenden Inflationserwartungen wird uns dieses Jahr noch längere Zeit begleiten. Dies könnte eine Rotation von Kapitalflüssen der internationalen, vor allem amerikanischen Anleger aus Anleihen zu Aktien und wahrscheinlich auch Rohstoffen auslösen. Die Zentralbanken – angeführt von der US-Notenbank Fed – haben ja mehrmals klargemacht, dass sie lieber ein gewisses Ansteigen der Inflation in Kauf nehmen als eine historisch zu tiefe Inflation. Denn mit höherer Inflation kann einer historisch rekordhohen Staatsverschuldung bekanntlich auch begegnet werden (siehe Marktkommentar «Unterschätzte Inflationsdebatte?» vom September 2020).

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 18. Februar 2021

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