Eine noch stärker balancierte Anlageaufteilung

Anlagepolitik, Januar 2021

Eine noch stärker balancierte Anlageaufteilung

Wichtige Wirtschaftsdaten zeigen einerseits eine gewisse Verlangsamung des Wirtschaftswachstums an. Diese steht in Zusammenhang mit der Virusausbreitung. Andererseits dürfte die Konjunkturstimulierung in den nächsten Wochen und Monaten zunehmen und Teile der Bevölkerung 2021 Zugang zu Impfstoffen erhalten. Die Finanzmärkte sollten in eine sogenannte Übergangsphase treten. In dieser können sich positivere Nachrichten mit weniger positiven häufiger abwechseln. Dies spricht für eine noch ausbalanciertere Anlagepolitik. Regional und zwischen den Anlageklassen haben wir die Balance daher für den Beginn des neuen Anlagejahres noch verstärkt.

Die amerikanische Wirtschaft weist in wichtigen Indikatoren weniger Aufwärtsdynamik auf. Das Wachstum des Einzelhandels ging im Oktober zum Vormonat von 1,9 % auf 0,5 % zurück. Der US-Konsumentenstimmungsindex des «Conference Board» fiel von Oktober auf November von 101,4 auf 96,1 mehr als erwartet. Die amerikanischen Haushaltseinkommen haben sich reduziert: Im September hatten sie zum Vormonat noch + 0,7 % gezeigt, im Oktober hingegen - 0,7 %. Diese Daten zeigen eine Verlangsamung des für die USA wichtigen Konsums an. In Europa zeigen sich wieder gewisse «Corona-Spuren» durch weniger starke Wirtschaftsdaten. Doch der «EU Recovery Fund» bzw. die Ausweitung der quantitativen Lockerungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sollten Europa 2021 eine kräftige Konjunkturerholung bringen, die sogar jene der USA übertreffen könnte.  

Aktien
Die Aktienmärkte haben seit den US-Wahlen und positiven Testergebnissen von Impfstoffen gegen das Corona-Virus zugelegt. Dadurch wurde eine weitergehende Wirtschaftserholung gerade bei konjunkturabhängigen Sektoren und Regionen teilweise, aber noch nicht vollständig, in die Aktienpreise eingebaut. In den kalten Wintermonaten könnte die Virussituation zum einen zuerst schwierig werden. Auf der positiven Seite ist aber die günstigere Bewertung der Aktien der Eurozone im Bewertungsvergleich zum Weltaktien-Index erwähnenswert. Zudem ist unsere Erwartung, dass die Ausweitung der geldpolitischen Lockerung der EZB bzw. die Umsetzung des «EU Recovery Fund» im 2021 für die europäische Konjunktur eine deutliche Erholung bringen wird. Auch die Aussicht auf Impfstoffe könnte die Kapitalflüsse von Regierungsobligationen vermehrt in Aktien leiten. Dabei könnten die gegenüber US-Aktien in der Performance 2020 zurückgebliebenen Aktien der Eurozone profitieren. Wir haben Aktien minimerer Volatilität zugunsten Eurozone-Aktien leicht reduziert. Insgesamt setzen wir zum Jahresbeginn auf eine noch klarer balancierte Anlageaufteilung.

Eurozone-Aktien sollten von einer klaren Konjunkturerholung 2021 profitieren.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Eine zurzeit wenig bekannte Tatsache ist, dass 2020 Obligationen mit den meisten Aktienmärkten mithalten konnten. Die von uns seit dem ersten Quartal favorisierten Unternehmensanleihen mit «Investment Grade»-Rating haben sogar viele Aktienmärkte im Gesamtertrag übertroffen. Dies zeigt, dass der schon oft totgesagte Diversifikationseffekt von Anleihen in Krisenzeiten funktioniert. Der Grund liegt in den seit der Finanzkrise immer klarer ausgeführten Anleihen-Kaufprogrammen der grossen globalen Zentralbanken. Wir gehen davon aus, dass diese Kaufprogramme sogar noch erhöht werden. Daher bleiben wir bei unserer, dieses Jahr sehr erfolgreichen Übergewichtung von Unternehmensanleihen mit «Investment Grade»-Rating. Regierungsobligationen sind im Hinblick auf 2021 aufgrund der stark gesunkenen Rendite hingegen nun klar weniger attraktiv als vor einem Jahr, weshalb wir sie etwas reduziert haben.

Währungen
Der Optimismus bezüglich Erfolg neuer Impfstoffe im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung hat die konjunkturabhängigen Devisen wie Euro, australischer Dollar oder brasilianischer Real ansteigen lassen. Dagegen haben internationale Investoren in den als sogenannte «sichere Häfen» bekannten Währungen Schweizer Franken und US-Dollar Gewinne mitgenommen. Der Euro erscheint kurzfristig nun sowohl zum US-Dollar wie zum Schweizer Franken etwas überkauft. Dies macht zuerst Fluktuationen von 3-5 % in beide Richtungen wahrscheinlicher, bevor neue Konjunkturstimulierungen oder Impfstoffe ausgerollt werden, die dem Euro 2021 helfen könnten.

Rohstoffe
Für Rohstoffe wird die Balance zwischen Nachfrage und Angebot in den kommenden Monaten bedeutsam. Die Hoffnung auf wirksame Impfstoffe hat die Nachfrage nach vielen Rohstoffen stimuliert. Doch bleibt die Angebotssituation für Rohstoffe weiter extrem wichtig. Im Öl konnte die Organisation erdölproduzierender Staaten (OPEC) in der zweiten Hälfte 2020 durch Förderdisziplin eine Preisstabilisierung erreichen. Die jüngst nur leicht veränderten Produktionskürzungen benötigen nun Disziplin, damit der Ölpreis nach den enormen Schwankungen des Jahres 2020 weniger Volatilität zeigt. 

Im Gold, das andere Rohstoffe seit Jahresbeginn geschlagen hat, lud die starke Performance zu Gewinnmitnahmen ein. Wir haben rechtzeitig um die Höchststände herum unsere Übergewichtung reduziert und Gewinne mitgenommen. Gold bleibt jedoch mittel- bis langfristig ein diversifizierendes Element der Vermögensaufteilung – dies hat sich gerade im Jahr 2020 mit aller Klarheit gezeigt. 

Fazit: In den kommenden Wochen und Monaten, bevor Impfstoffe breiten Bevölkerungsschichten zur Verfügung stehen, könnten sich positive und weniger positive Nachrichten abwechseln, was zu einer Übergangsphase in den Finanzmärkten führen könnte. Dies signalisiert uns, dass eine noch mehr ausbalancierte Anlagepolitik in den Anlageklassen angezeigt ist. Gleichzeitig behalten wir unsere klare Fokussierung auf Qualität sowohl bei Aktien wie Anleihen bei.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

Modular anlegen mit Maerki Baumann

Die hervorgehobenen Akzentmodule erlauben es Ihnen, die erwähnten Themen in Ihrem Portfolio abzubilden:

Aktien Schweiz Aktien USA
Nebenwerte Schweiz Aktien Schwellenländer
Aktien Eurozone Aktien Global
Aktien Deutschland  
Obligationen CHF Global Ausgewogen
Obligationen EUR Rohstoffe
Obligationen USD  
Obligationen Schwellenländer  

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation dient ausschliesslich zu Informations- und Marketingzwecken und ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung sowie kein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen können.

Redaktionsschluss: 21. Dezember 2020

Maerki Baumann & Co. AG
Dreikönigstrasse 6, CH-8002 Zürich
T +41 44 286 25 25, info@maerki-baumann.ch
www.maerki-baumann.ch

top